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Christliches Webverzeichnis   - > Die Selbstliebe im christlichen Glauben

Auf dieser Seite finden Sie Anregungen zur Selbstliebe. Im christlichen Glauben führt das Thema Selbstliebe zu inneren Spannungen. Die Frage ist, ob man sich selbst lieben darf, ohne die Demut zu verlieren. Jesus lehrt, dass man den Nächsten wie sich selbst lieben soll. Wahre Selbstliebe bedeutet, sich ehrlich anzunehmen, ohne Eitelkeit. Es geht darum, Gottes Blick auf uns zu übernehmen. Selbstliebe ist ein Prozess, der Dankbarkeit und das Respektieren eigener Grenzen einschließt. Es ist wichtig, sich selbst zu achten und nicht ständig die Erwartungen anderer zu erfüllen. Liebe zu sich selbst verändert Beziehungen und fördert ein Leben in Freiheit. Es ist eine Reise zur Annahme, die durch Glaube und Gottessicht genährt wird.

 

 

Selbstliebe im christlichen Glauben

Es gibt Themen, die leicht klingen, aber tief in uns etwas aufwühlen - und Selbstliebe im christlichen Glauben gehört genau dazu. Schon das Wort kann Spannungen hervorrufen: Darf ich mich selbst lieben, ohne gegen Demut oder Bescheidenheit zu verstoßen? Jesus sagte, wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst - und darin steckt eine bittere Wahrheit: Wer sich selbst nicht annehmen kann, dem fehlt oft auch die Kraft, andere wirklich zu lieben.

Viele kennen diesen einen Moment in der Kirche - eine stille Messe, Licht fällt schräg durch die alten Fenster, und Staub tanzt in der Luft. Der Pfarrer spricht über Selbstannahme, doch in einem selbst regt sich sofort dieser kleine Protest: „Das klingt nach Eitelkeit.“ Erst später begreift man, dass wahre Selbstliebe nichts mit Selbstverherrlichung zu tun hat. Es geht nicht darum, sich selbst zu feiern, sondern sich ehrlich zu betrachten - mit allen Rissen, Zweifeln und Widersprüchen - und trotzdem sagen zu können: „Ich bin geliebt.“

Im Kern bedeutet Selbstliebe, Gottes Blick auf uns zu übernehmen. Nicht den der Welt, die misst, vergleicht, sortiert, sondern den einer Liebe, die nicht fragt, ob wir genügen. Das ist keine Einladung zum Egoismus, sondern eine Ermutigung zur Dankbarkeit. Wenn ich abends still werde, das Kerzenlicht flackert und mein Tag langsam zur Ruhe kommt, versuche ich, meine Gedanken durchzugehen: Wo war heute Güte, Freude, ein kleines Lächeln? Solche Momente verändern den Blick - auf mich selbst und auf andere.

Selbstliebe ist wie Wasser, das aus einer inneren Quelle fließt. Zuerst füllt sie mich selbst, dann reicht sie weiter. Wenn sie aber stockt, wenn sie sich nur um mich selbst dreht, wird sie schal wie stehendes Wasser. Gesunde Selbstliebe ist Dankbarkeit in Bewegung, krankhafte Selbstbezogenheit ist Stillstand - oder Selbstgefälligkeit.

Selbstliebe im christlichen Sinne bedeutet auch, mich selbst auszuhalten. Da gibt es Tage, an denen ich aufwache und alles in mir Widerstand spürt: gegen mich, gegen die Welt. Und gerade dann hilft es, innezuhalten, tief zu atmen und zu akzeptieren - all die Fehler, Ecken und Kanten. Genau da hinein spricht Gott sein „Ja“.

Viele verwechseln Liebe zu sich selbst mit Egoismus. Ein Egoist sieht nur sich selbst, ein Mensch, der sich liebt, sieht auch die anderen. Der Unterschied? Ein Egoist nimmt Raum, ein Liebender schafft Raum. Er achtet die Grenzen anderer, aber auch seine eigenen. Wenn ich meine eigene Zeit respektiere, kann ich auch die der anderen achten. Es ist ein gegenseitiges Geben und Lassen, kein Ziehen und Fordern.

Schon als Kinder lernen wir: Anerkennung muss verdient werden. Elternlob, gute Noten, das Schulterklopfen von Lehrern - all das formt uns. Und irgendwann glauben wir tatsächlich, Liebe sei eine Art Belohnung. Wie viele von uns rennen noch als Erwachsene dieser unsichtbaren Medaille hinterher? Wir tun es selbst lange - uns aufreiben zwischen Erwartungen und dem Wunsch, „gut genug“ zu sein. Erst später, als wir beginnen, uns liebevoll selbst zu betrachten, verstehen wir: Liebe ist kein Tauschgeschäft.

 

" Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst ."

( Lukas 10,27 )
 

Selbstliebe ist kein Zustand, den man erreicht und dann abhakt. Sie ist eher ein tägliches Lernen in der Schule des Lebens. Es gibt Tage, an denen es leicht fällt, freundlich zu sich zu sein, und andere, da bricht alles wieder ein. Dann lächelt Gott, nickt wohlwollend und sagt: „Du darfst üben.“ Und vielleicht ist das der Anfang aller Heilung - die Erlaubnis, unvollkommen sein zu dürfen.

Da hilft eine kleine Übung: Wenn ich das Gefühl habe, nicht genug zu sein, schreibe ich drei Dinge auf, die an mir gut sind. Das kann banal wirken - „Ich kann gut zuhören“ oder „Ich habe jemandem geholfen“ - aber es erdet mich. Es erinnert mich daran, dass ich lebe, wach bin, wirken darf.

Liebe zu sich selbst im christlichen Glauben zeigt sich oft auf leisen Wegen. Ein Spaziergang am Fluss, wenn das Wasser nach Regen riecht. Ein kurzes Gebet mitten im Alltag. Oder das bewusste „Nein“ zu etwas, das mir nicht gut tut. An Tagen, an denen der Kopf laut ist, reicht es oft, kurz aus dem Fenster zu schauen, um den Blick zurück auf das Wesentliche zu finden.

Selbstfürsorge - ein Wort, das vielen verdächtig nach Wellness klingt - ist in Wahrheit tief spirituell. Es bedeutet, mich als göttliche Schöpfung ernst zu nehmen. Auf meinen Körper zu hören, wenn er müde ist, statt ihn mit Kaffee zu übertönen. Grenzen zu ziehen, auch wenn andere sich daran stoßen. „Nein“ zu sagen, ohne Schuldgefühle - das ist kein Egoismus, das ist Selbstachtung.

Ich muss lernen, dass ich nicht dazu da bin, alle glücklich zu machen. Dieses Bedürfnis, Erwartungen zu erfüllen, kann lähmen. Ich trage nicht die Verantwortung für die Gefühle anderer. Aber ich trage Verantwortung für meine Entscheidungen - wie ich reagiere, wie ich mich selbst behandle, wie ich Frieden bewahre. 

 

" Die Liebe ist langmütig und freundlich, sie eifert nicht,
sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig ."

( 1. Korinther 13,4 )
 


Selbstliebe im christlichen Sinne verändert Beziehungen. Wer sich selbst kennt, reagiert weniger aus Angst heraus. Er muss nicht um Aufmerksamkeit kämpfen, weil er weiß, dass er wertvoll ist. So entstehen Verbindungen auf Augenhöhe - frei von Abhängigkeit.

Und dann gibt es noch diese andere Seite der Selbstliebe: Mut. Mut, groß zu träumen. Mut, an sich zu glauben, auch wenn niemand klatscht. Das Leben selbst hat Freude an Menschen, die aufrecht durchs Leben gehen - mit offenen Augen und Herzen. Selbstliebe schenkt diese Haltung; sie ist wie ein stilles „Ja“ zum eigenen Dasein.

Das ist letztlich der Kern: Ich bin immer von Gott geliebt, also darf ich mich lieben. Diese Gewissheit ist keine Theorie, sondern etwas, das man spürt - in Momenten des Friedens, mitten im Chaos. Und wer dieses Gefühl kennt, beginnt anders zu leben.

Vielleicht geht es im christlichen Glauben nie darum, perfekt zu werden, sondern ganz: offen, annehmend, ehrlich. Wenn ich mich so sehe, wie Gott mich sieht - liebevoll und echt -, dann wird Selbstliebe zu einem Gebet in Bewegung.

Und vielleicht, ganz leise, ist das die schönste Form des Glaubens.

 

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